Das Leben und Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen aus der Dortmunder Nordstadt ist häufig von schwierigen sozialen, finanziellen und familiären Bedingungen geprägt. Der Stadtteil ist von Kinder- und Jugendarmut, Bildungsbenachteiligung sowie vielfältigen Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen geprägt. Viele der hier lebenden Familien haben eine Migrations- oder Fluchtgeschichte und sind im Alltag mit zahlreichen Belastungen konfrontiert. Urlaubsreisen oder besondere Ferienausflüge sind für die meisten von ihnen aus finanziellen Gründen nicht möglich.
Vor diesem Hintergrund hat der AWO Jugendtreff am Hafen das Projekt „Raus aus dem Grau – to the beach!“ für Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren aus der Dortmunder Nordstadt geplant. Für zehn Tage geht es für 16 Jugendliche nach Kroatien! So können sie Abstand zu ihrem Alltag gewinnen, Erholung erleben und sich selbst als wertvollen Teil einer Gruppe erfahren. Die meisten Teilnehmenden waren noch nie am Meer oder haben überhaupt schon einmal eine derartige Reise unternommen. Sie werden ganz neue Erfahrungen machen, die im Idealfall nachhaltig zu ihrer Entwicklung beitragen können.
Zentrales Element des Projekts ist die aktive Beteiligung der Jugendlichen. Sie werden in die Planung und Gestaltung der Freizeit einbezogen, entscheiden gemeinsam über Programmpunkte und übernehmen Verantwortung für das Miteinander in der Gruppe. Dadurch erleben sie Selbstwirksamkeit und erfahren, dass ihre Ideen und Meinungen von ihren Mitmenschen angehört und wertgeschätzt werden. Auf diese Weise erleben die Jugendlichen eine Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen, sie lernen Konflikte konstruktiv zu lösen und erleben Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und Verlässlichkeit.
Neben den Gruppenerfahrungen stehen Bewegung, Naturerlebnisse und Zeit zur Erholung im Mittelpunkt. Gleichzeitig ermöglicht der Aufenthalt in einem anderen Land neue kulturelle Eindrücke und erweitert den Blick über das eigene Lebensumfeld hinaus. Pädagogisch begleitete Reflexionsphasen unterstützen die Jugendlichen dabei, die Erlebnisse und Erkenntnisse einzuordnen, ihre eigenen Stärken zu erkennen, Selbstvertrauen aufzubauen und neue Perspektiven für ihren weiteren Lebensweg zu entwickeln.
Die Erfahrungen aus den vergangenen Projektjahren zeigen, dass die Teilnehmenden gestärkt, selbstbewusster und motivierter in ihren Alltag zurückkehren. Das Projekt hat in den letzten Jahren nachhaltig zur Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmenden beigetragen und die Jugendlichen darin bestärkt, ihren Alltag über soziale Teilhabe mitzugestalten und sich aktiv für die eigene Zukunft einzusetzen.
Eine derartige internationale Ferienfreizeit ist natürlich mit Kosten verbunden, die sowohl das Budget des AWO Jugendtreffs als auch das der Familien der Teilnehmenden überschreitet. Die Jugendlichen leisten einen Eigenanteil in Höhe von 100,- Euro pro Person. Zusätzlich hat sich die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord bereiterklärt, die Ferienfreizeit mit 5.000,- Euro zu unterstützen. Dennoch blieb leider eine Finanzierungslücke, die nun die ProFiliis-Stiftung schließen und Mittel in Höhe von 6.180,- Euro zur Verfügung stellen wird.
Zum Hintergrund:
Der AWO „Jugendtreff am Hafen“ hat in Kooperation mit dem Bereich „Streetwork“ das Projekt „Raus aus dem Grau“ ins Leben gerufen. Beide Angebote befinden sich in der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Unterbezirk Dortmund und gehören seit vielen Jahren zum Leistungsspektrum der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Dortmunder Nordstadt. Durch ihre enge Anbindung an den Stadtteil und den kontinuierlichen Kontakt zu den Jugendlichen verfügen die Fachkräfte über umfassende Kenntnisse der Lebenslagen und Bedarfe der Zielgruppe. Die vertrauensvollen Beziehungen zu den jungen Menschen bilden eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Planung und Durchführung des Projekts sowie für dessen nachhaltige pädagogische Begleitung.
sh