Kenia liegt im Osten des afrikanischen Kontinents und ist Wirtschaftszentrum dieser Region. Dennoch steht ein großer Teil der Bevölkerung vor verschiedenen Herausforderungen: über 35 % der Menschen leben unter der Armutsgrenze, die Gesundheitsversorgung ist in manchen Teilen des Landes unzulänglich, Naturkatastrophen beschädigen regelmäßig Gebäude und Infrastruktur. Insbesondere die rund 70 % der Bevölkerung, die in ländlichen Gebieten leben, sind von diesen Herausforderungen betroffen.
Für einige Familien bietet die Verheiratung ihrer Kinder – insbesondere der Töchter – einen Ausweg aus der Armut. Hierbei handelt es sich häufig um Zwangsehen oder sogenannte Frühverheiratungen: „23% der Mädchen und 3% der Jungen werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. In einigen Landesteilen liegt die Rate bei Mädchen sogar bei 66%.“ * An einigen Orten wird als Vorbereitung auf die Ehe an den Kindern eine Genitalverstümmelung begangen, die als Übergangsritus ins Erwachsenenalter angesehen wird – obwohl diese offiziell seit 2002 in Kenia verboten ist.
An dieser Stelle setzt das World Vision-Projekt: „Big Dream to end Child Marriage“ an, das Frühverheiratung, Missbrauch und Gewalt an Kindern beenden möchte. „Das Ziel: Bis 2030 wollen wir Frühverheiratung und missbräuchliche Praktiken überall, wo wir in Kenia […] tätig sind, beenden.“ *
Für World Vision müssen zwei Grundsätze erreicht werden:
- „Mädchen müssen selbst entscheiden können, ob, wann und wen sie heiraten.
- Es muss ein schützendes und unterstützendes Umfeld geschaffen werden, das Gemeinden hilft, Früh- und Zwangsverheiratung entgegenzuwirken.
Um dies realisieren zu können, wurden fünf Säulen als tragend für das Projekt „Big Dream to end Child Marriage“ definiert:
1. Verhaltensänderung,
2. Zugang zu Bildung,
3. wirtschaftliche Stärkung,
4. Beseitigung von Problemen im Bereich Wasser und Hygiene, die Mädchen den Schulbesuch erschweren, und
5. Stärkung von Systemen zum Schutz von Kindern.
Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass ein Umdenken in der Bevölkerung erwirkt werden muss. Entsprechende Traditionen müssen als Missbrauch enttarnt und anerkannt werden. World Vision arbeitet zu diesem Zweck mit religiösen und politischen Führungskräften zusammen und richtet sich an ganze Gemeinden.
Außerdem hat World Vision festgestellt, dass der Zugang zu Bildung ein „entscheidender Hebel [ist], um Kinderehen zu verhindern.“ * Denn je besser ein Mädchen gebildet ist, desto höher ist die Chance auf ein höheres Einkommen, und somit ist auch der Beitrag, den es zum Lebensstandard der Familie und Gemeinde leisten könnte, höher. Auf diese Weise kann Bildung dazu beitragen, dass Kinder nicht frühverheiratet werden. Aus diesem Grund übernimmt World Vision stellenweise Schulgebühren bzw. stellt die benötigten Mittel für Schulmaterialien zur Verfügung, sodass ein Schulbesuch sichergestellt werden kann.
Die Säule „Stärkung von Systemen zum Schutz von Kindern“ soll unter anderem dadurch realisiert werden, dass Kinderschutzzentren errichtet werden, die als Zufluchtsort dienen für Kinder, die von Frühverheiratung bedroht sind bzw. bereits verheiratet wurden. Kinder, die vor ihren Ehemännern oder Familien fliehen, werden in den Kinderschutzzentren untergebracht, können hier leben, werden versorgt und haben Zugang zu Bildung.
ProFiliis unterstützt World Vision bei diesem bedeutsamen und lebensverändernden Projekt für so viele Kinder in Kenia. Die Stiftung stellt 25.000,- Euro zur Errichtung von drei Kinderschutzzentren an verschiedenen Orten in Kenia zu Verfügung.
sh
* den Antragsunterlagen von World Vision entnommen