Die klassische Nachbarschaftshilfe, bei der man sich nebenan eine Tasse Mehl ausleiht, ist besonders in großen Städten keine Selbstverständlichkeit. Häufig kennen sich Nachbar:innen gar nicht und es ist eher ein Nebenher- oder An-einander-vorbei-Leben als ein Miteinander. Hier möchte der Verein „Solidarische Nachbarschaft e. V.“ entgegenwirken und hat deswegen den Nachbarschaftstreff „Union Salon“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, Anonymität und Einsamkeit im Unionviertel abzuschaffen und ein System der Gemeinschaft und Unterstützung zu erschaffen.
„Bei Kaffee wird sich kennengelernt, wir gestalten gemeinsam unser Viertel und helfen uns gegenseitig bei Alltagsproblemen“, heißt es im Förderantrag des Vereins.
Ein Angebot des Union Salons ist ein Mädchentreff, der im Juni 2024 etabliert wurde und sich an die Mädchen aus der Nachbarschaft im Alter von 8 bis 12 Jahren richtet. Die Gruppe ist mit Blick auf Migration, Ethnie, Religion und soziökonomischen Hintergrund heterogen gestaltet.
„Das Projekt verfolgt das Ziel, Mädchen in ihrer Selbstständigkeit, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Konfliktfähigkeit zu stärken. Sie sollen lernen, ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse zu erkennen, zu vertreten und Grenzen zu setzen. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Partizipation, damit die Mädchen erfahren, wie sie aktiv und selbstbestimmt ihr Leben gestalten können.“ (Auszug aus dem Förderantrag)
Im Mädchentreff wird eine rassismuskritische und geschlechtersensible Haltung eingenommen und ein gewaltfreier und respektvoller Umgang miteinander vorgelebt. Die Mädchen sollen in einem positiven Selbstbild gestärkt werden, durch Partizipation Selbstwirksamkeitserfahrungen machen und zu selbstbewusstem und autonomem Handeln befähigt werden.
Zu diesem Zweck stehen Themen wie Identitätsfindung, das Formen eigener Werte, die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen (kulturell, politisch, …), die Befähigung zum Perspektivwechsel und gleichzeitig Selbstbewusstsein dem eigenen Standpunkt gegenüber auf der Agenda des Mädchentreffs.
Um den Teilnehmerinnen ein abwechslungsreiches Programm und vielfältige Aktivitäten bieten zu können, müssen immer mal wieder einige Anschaffungen getätigt werden, für die kein Budget besteht. Aus diesem Grund stellten die Verantwortlichen einen Förderantrag bei ProFiliis, der die Aktivitäten des Mädchentreffs im Jahr 2025 umfasste. Die Stiftung hat 2.000,- Euro zur Verfügung gestellt, sodass Bastel- und Spielmaterialien sowie Zubehör für Holz- und Handwerksprojekte angeschafft werden konnten. Außerdem wurde von diesen Mitteln ein Regal zur Aufbewahrung der Materialien des Mädchentreffs gekauft und Druckkosten konnten gedeckt werden.
Mit dieser finanziellen Förderung im Hintergrund konnten im Jahr 2025 insgesamt 48 abwechslungsreiche Termine des Mädchentreffs angeboten werden. Regelmäßig nahm eine Kerngruppe von rund 10 Mädchen das Angebot an, die durch einige weitere Mädchen ergänzt wurde, die unregelmäßig zum Mädchentreff kamen.
Bei der inhaltlichen Gestaltung des Angebotes standen die Wünsche und Ideen der Mädchen im Vordergrund, die durch die pädagogischen Fachkräfte um thematische Gesprächsanlässe ergänzt wurden. So wurde bei der kreativen Gestaltung eigener Handyhüllen über Mediennutzung und -kompetenz gesprochen; bei der Zusammensetzung von „Was-tut-mir gut“-Boxen über Selbstfürsorge.
Bei jedem Treffen wurde aktuellen Erfahrungen der Mädchen Raum gegeben. So wurden sowohl Rassismuserfahrungen im Viertel thematisiert als auch über Freundschaft, Liebe und alles, was dazugehört, gesprochen.
Für einige Teilnehmerinnen war ein bestimmtes Thema von besonderer Relevanz: Der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule. Innerhalb des Mädchentreffs konnten sie vorab ihre Sorgen und Ängste teilen, haben über Mobbingerfahrungen gesprochen und individuelle Strategien zur gewaltfreien Konfliktlösung erproben.
Die Verantwortlichen machten die Beobachtung, dass der Mädchentreff durch das regelmäßige Stattfinden für die Teilnehmerinnen zu einem verlässlichen Ort wurde, an dem sie sich wohl fühlten. Besonders kreative und partizipative Angebote wurden von den Mädchen gut angenommen. „Die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, stärkte die Identifikation der Mädchen mit dem Angebot und förderte ihre Motivation zur regelmäßigen Teilnahme.“ (Auszug aus dem Projektbericht) Durch die offene Gestaltung der Angebote ergaben sich häufig ganz nebenbei Gesprächsanlässe, Austausch zu verschiedenen Themen und auch Möglichkeiten der Selbstreflexion.
Zum Jahresende zogen die Verantwortlichen ein Fazit: Der Mädchentreff wurde zum einen durch die Kontinuität zu einem festen Termin im Wochenverlauf der Mädchen. Zum anderen bot er ihnen einen sicheren Ort, an dem sie sie selbst sein und sich frei äußern können, und an dem ihre Meinung zählt. Dies stärkte das Selbstbewusstsein der Mädchen sowie ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Durch die kontinuierliche Beziehungsarbeit entwickelte sich ein vertrauensvolles Verhältnis. Die Mädchen sprachen untereinander und in der Gruppe über private Themen, stellten Fragen und tauschten sich dazu aus. Herausfordernd war zunächst der Vertrauensaufbau der Eltern. Eine frühzeitige Einbindung der Eltern war wichtig, um diesen die Sicherheit zu vermitteln, ihren Töchtern die Teilnahme am Mädchentreff zu erlauben. Zusätzlich waren so Gespräche zur Wahrung des Rahmens des Angebotes – zum einen bezüglich der Altersgruppe, zum anderen bezüglich des Geschlechts der Zielgruppe – möglich.
„Insgesamt bestätigt das Projekt die Relevanz geschlechtersensibler, niedrigschwelliger Angebote in der offenen Kinder- und Jugendarbeit – insbesondere für Mädchen, die im Alltag nur begrenzt Räume für Mitbestimmung, Austausch und Selbststärkung erleben.“ (Auszug aus dem Projektbericht)
ProFiliis freut sich, den Mädchentreff Union Salon unterstützt und auf diese Weise vielen Mädchen die Chance auf eine sinnvolle Freizeitgestaltung mit persönlichkeitsbildendem Angebot gegeben zu haben. Besonders schön: Im Rahmen eines Weihnachts-Spendenlaufs hat der Lauftreff Bittermark 750,- Euro gesammelt und ProFiliis gespendet (mehr dazu hier). Dieses Geld ist mit in das Projekt Mädchentreff geflossen.
sh